Methoden und Materialien

Beschichtungen auf Ölbasis („Kutschenlacke“):

In der Frühzeit des Automobilbaus wurden Fahrzeuglacke aus Leinöl mit Kopalen bzw. Bernsteinanteilen hergestellt, die von Hand in zahlreichen unterschiedlichen, genau aufeinander abgestimmten Lagen aufgestrichen wurden.

Fahrzeuge mit solchen originalen Lackierungen sind heute äußerst selten und wertvoll. Der Erhalt dieser Oberflächen und ihre Restaurierung erfordern besondere Methoden sowie spezielle Materialkombinationen, die genau auf die spezifischen Schäden der Öllacke abgestimmt werden müssen. Ein Beispiel dafür ist das Restaurierungsprojekt an einem Renault Typ C aus dem Jahre 1899.

Die materialgetreue Rekonstruktion  solcher mit dem Pinsel ausgeführten Lackierung ist eine besonder Herausforderung, die mit Spezialisten in meinem Netzwerk authentisch umgesetzt werden kann.

Lacke auf Basis von Zellulosenitrat ("Nitrolacke")

Beschichtungen mit Zellulosenitrat-haltigen Bindemitteln, landläufig auch „Nitrolacke“ genannt, haben zur Mitte der 1920er Jahre die Beschichtungstechnik von Fahrzeugen revolutioniert. Der Auftrag mit der Spritzpistole und ihre schnelle Trocknung beflügelten die industrielle Massenproduktion.

Entsprechend poliert ergeben solche Lacke außergewöhnlich brillante Oberflächen mit einzigartiger Farb- und Glanzwirkung und Fahrzeuge, die heute noch solche historischen Beschichtungen tragen, sind inzwischen hochwertige und besonders gesuchte Sammlerstücke. Sie werden jedoch immer seltener, da Nitrolacke empfindlicher auf Zersetzung und Beschädigung reagieren als beispielsweise heute übliche 2-Komponenten-Systeme. Praktische Erfahrungen mit solchen Lackformulierungen haben in den letzten Jahren aber gezeigt, dass diese Materialien bei richtiger Pflege dem Fahrbetrieb eines Oldtimers durchaus gut gewachsen sind. (- mehr dazu auch in verschiedenen Beiträgen im Abschnitt News).

Nitrozelluloseschichten können nicht mit modernen Materialien ergänzt werden, denn bei einer Beilackierung mit 2K-Lacken käme es im Übergangsbereich unweigerlich zum gefürchteten „Hochziehen“. Heutige Lacke haben außerdem eine vollständig andere Oberfläche und Glanzwirkung als die historisch verwendeten Decklacke. Das heisst,  selbst wenn der Farbton genau angeglichen wird, ja sogar bei Verwendung von hochglänzenden Klarlack auf der Oberfläche , zeigen neu lackierte Bauteile wie etwa eine Tür oder ein Kotflügel immer eine andere Oberflächenwirkung und heben sich von erhaltenen originalen Flächen ab. Diese gilt besonders für Metalleffekt-Beschichtungen, die in den 1930er Jahren aufkamen und bis in die späten 1960er Jahre als Einschicht-Lackierung ohne Klarlacküberzug ausgeführt wurden.

 

Aus der lackchemischen Fachliteratur der 1920er bis 1950er Jahre konnten inzwischen Nitrozellulose-Automobillacke und verschiedene andere Beschichtungsstoffe wie beispielsweise Leder-Decklacke nach historischen Vorbildern rekonstruiert werden. Diese Materialien stehen nun für unauffällige Retuschen innerhalb von historischen Lackierungen, aber auch zum Ergänzen grösserer Flächen zur Verfügung**. Sie ermöglichen eine eng auf die Fehlstelle beschränkte „Spot-Retusche“ innerhalb von historischen Nitrozellulose-Schichten und werden dafür genau an Farbtöne und Oberflächen des Wagens angepasst. So bleibt die historische Substanz und authentische Patina des Fahrzeuges erhalten.

Nach diesen Grundsätzen wurden beispielsweise die originale Lackierung sowie die Sitzbezüge eines Bugatti T43 aus dem Jahr 1929 ergänzt.

Alkydharz-Automobillacke ("Kunstharzlacke")

Auch die seit Mitte der 1930er Jahre an Fahrzeugen verwendeten Beschichtungssysteme auf Kunstharzbasis können mit entsprechenden Materialien und Methoden bearbeitet und erhalten werden. Dies ist gut zu erkennen an der lediglich punktuell ergänzten originalen Kunstharzlackierung eines Alvis Speed 20 aus dem Jahr 1935.

In diesem besonderen Fall konnte die vollflächige, moderne Überlackierung des Wagens vorsichtig abgenommen und seine ursprüngliche Kunstharzlackierung freigelegt werden. Bereiche in denen die erste Lackierung durch frühere Unfallschäden verloren gegangen ist (etwa an der Spitze des rechten hinteren Kotflügels)  wurden mit  Kunstharzlack so geschlossen, dass sie sich nun wieder unauffällig in das historische Gesamtbild des Wagens einfügen.

Von erfahrenen Fachleuten in meinem Netzwerk können auch flächige Rekonstruktionen von historischen Kunstharzoberflächen qualitätvoll ausgeführt werden.

Thermoplastische Acryllacke ("TPA-Lacke")

 Fahrzeughersteller wie beispielsweise Ferrari oder Rolls Royce haben dieses  besonders in den 1960er Jahren beliebte Lacksystem bis in die 1980er Jahre  zur werksseitigen Beschichtung ihrer Wagen verwendet.

Allerdings werden diese Materialien mit ihren ganz spezifischen Eigenschaften heute häufig zu Unrecht "verteufelt",   weil sie sich mit modernen Materialien nicht zufriedenstellend überarbeiten lassen. Bei Fragen rund um die  Ergänzung und Rekonstruktion  originaler Thermoplast-Lackflächen arbeite ich mit einem der wenigen Spezialisten zusammen, der heute noch solche Materialien beziehen und verarbeiten kann. Auf diese Weise können auch die historischen Oberflächen solcher Fahrzeuge ohne unzuverlässige Isolierschichten oder ein komplettes Entfernen der vorhandenenen Schichten ergänzt und ausgebessert werden.

Ergänzung und Rekonstruktion historischer Lederausstattungen

Historische Materialmischungen können auch bei der authentischen Kopf-Färbung von Leder für die Innenausstattung von Fahrzeugen der „Messing-Ära“ eingesetzt werden. Leder dieser Art wurde beispielsweise anhand von Originalbefunden in einem Mercedes Knight Baujahr 1920 rekonstruiert und zur Nachbildung der verlorenen  Innenausstattung des Wagens verwendet. Dabei wurden für den "Unterbau" der Polsterung und die Teppiche ebenfalls die historisch korrekten Arbeitstechniken und Materialien eingesetzt.

Auch andere Ledermaterialien nach historischem Vorbild können angefertigt und individuell an noch vorhandene Originaloberflächen eines Wagens angepasst werden. Dadurch ist es möglich, nur die unrettbar beschädigten Teile einer Innenausstattung zu ersetzten und  neu eingebrachte Bereiche unauffällig einzufügen.

Dasselbe gilt auch für die Beschaffung und Nachfertigung von speziellen Textilien nach historischem Vorbild, die zur originalgetreuen Rekonstruktion von Innenausstattungen benötigt werden  (Details dazu finden Sie auch hier).

Moderne Materialien für die Konservierung und Restaurierung

Für die Stabilisierung (Konservierung) von historisch erhaltenen Beschichtungen, Leder, Kunstleder, Textilien und Metallauflagen sind traditionelle Materialien und Arbeitstechniken häufig nicht geeignet. Hier haben sich  individuell zusammengestellte Materialformulierungen mit modenen Inhaltsstoffen bewährt, deren Haltbarkeit und Wirksamkeit im Bereich der Konservierung und Restaurierung von Kulturgütern erprobt sind.

Soweit es mit der aktiven Nutzung des jeweiligen Fahrzeuges vereinbar ist, werden diese Formulierungen reversibel und minimalinvasiv eingesetzt. Festigungsmaterialien dieser Art wurden beispielsweise zur Fixierung der historischen Startnummern auf einem Germain-Lambert Rennwagen ("La 16") aus dem Jahr 1949 im Musée National de l'Automobile (Collection Schlumpf) verwendet.

Genau abgestimmte Lösemittelmischungen machen es in vielen Fällen möglich, Übermalungen und alte Bearbeitungsspuren auf Leder und anderen Materialien der Innenausstattung wieder zu entfernen. Mit entsprechenden Verfahren konnten beispielsweise die weiss übermalten Lederpolster eines Pegaso Z102 aus dem Musée National de l'Automobile in Mulhouse wieder auf die ursprüngliche, elfenbeinfarbene Oberfläche freigelegt werden.

Auch gerissene Bereiche und Schäden in Lederoberflächen konnten bereits erfolgreich hinterlegt und wieder geschlossen werden. So bleibt die historische Innenausstattung mit ihren natürlichen Alterungsspuren und gleichzeitig aber auch die Nutzbarkeit des Fahrzeuges bestehen.  Ein Beispiel dafür ist die Bearbeitung der  Sitzpolster eines Jaguar XK 120 aus dem Jahr 1950, die auf diese Weise erhalten werden konnten.

Detaillierte Informationen über einzelne Projekte finden Sie hier


**zur ChemVOCFarbV und der gesetzeskonformen Anwendung von historischen Lacken und

   Restaurierungsmaterialien lesen Sie bitte die Technischen Hinweise.