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Neuigkeiten aus der Werkstatt, von Veranstaltungen und aus dem Netzwerk

Dienstag, den 22. 8. 2017

 

Farbliches Angleichen von Teppichen

Ein immer wiederkehrendes Problem ist die Auswahl von authentischen und farblich stimmigen Teppichen für historische Fahrzeuge. So sind die hier häufig verwendeten hochwertigen Wollqualitäten mit Sisalrücken (ohne rückseitige Gummi- oder Kunststoffbeschichtung) heute nur noch über wenige Lieferanten und in einer begrenzten Anzahl von Tönen erhältlich.

Darum habe ich ein Verfahren entwickelt, mit dem solche Teppiche in einem gewissen Rahmen „getönt“ und so im Farbton angepasst werden können. Die verwendeten Lasuren sind dem Wollmaterial entsprechend lichtecht und abriebfest, ausserdem beeinflussen sie nicht die weiche Haptik der Fasern.

Heller graubeiger Wollteppich wurde nach einer Fusstütze aus dem Wagen (rechts oben) farblich an das Originalmaterial in einem Rolls Royce Silver Shadow angeglichen (1- ungetönt, 2 - getönt).

Auf diese Weise kann ein Teppich zwar nicht komplett „umgefärbt“ oder heller gemacht werden, die Behandlung ermöglicht aber ein Abdunkeln um ein bis zwei Töne sowie das gleichzeitige  Anpassen entsprechender „Farbstiche“.  Damit ist in vielen Fällen auch ein unauffälliger partieller Ersatz von Belägen möglich und noch gut erhaltene Bereiche von vorhandenem Teppich können beibehalten werden.


Donnerstag, den 14. 7. 2017

 

Debut beim Goodwood Festival of Speed

Foto: Wouter Melissen, mit freundlicher Erlaubnis von Ultimate Carpage

Nach einer besonders detailgetreuen Restaurierung in England ist diese einzigartige Ikone der Renngeschichte wieder back on the track.

Die in meiner Dissertation erarbeiteten Erkenntnisse zu Materialien und Ausführung der ursprünglichen Lackierung von Silberpfeil-Rennwagen in den 1930er Jahren und weiterführende Recherchen zur Beschichtung von Fahrzeugen der Serie W125 konnte ich in diesem Projekt für die authentische Rekonstruktion der Karosseriebeschichtung verwenden.

Bei diesem Fahrzeug ist zum ersten Mal der von Omnia entwickelte, besonders fein pigmentierte Nitrozellulose-Metalliclack eingesetzt worden (s. Beitrag vom 21. 2. 2017).  Dadurch erhielten die Oberflächen eine für diesen Fahrzeugtyp stimmige, gleichmässig-silberfarbene und leicht matte Oberfläche ohne verfälschenden Klarlacküberzug.  Gleichzeitig wurde beim Aufbau des Untergrundes, den Lackaufträgen und der Gesamtschichtdicke auf eine historisch passende Ausführung geachtet, so dass der Wagen nun bei seinen Einsätzen eine originalgetreue Gebrauchspatina ausbilden kann.


Freitag, den 9. 6. 2017

 

Ein Besuch bei Tapir Wachswaren in Dassel

Foto: Tapir Wachswaren

Auf der Rückreise aus den Niederlanden und verbunden mit einem Termin im Einbecker PS Speicher führte mich Bodo Rengshausen hinter die Kulissen seiner Manufaktur für Leder- und Lackpflegewaren in Dassel.

 

Hier werden in liebevoller Detailarbeit nicht nur Lederpflegemittel, sondern auch eine Produktreihe mit besonderen Reinigungs- und Politurprodukten für die Behandlung von Oldtimer-Lackierungen hergestellt.  Acht Mitarbeiter fertigen heute auf authentischen, aus historischen Fabrikationsstätten stammenden Maschinen Lackreiniger und Politur, sowie Lacköl und Schutzwachs aus natürlichen Rohstoffen

Die Tapir-Rezepturen basieren auf historischen Formulierungen, die mit modernen Erkenntnissen weiter verfeinert und optimiert worden sind. Zur Firmenphilosophie gehört es ausserdem, alle Inhaltsstoffe der Produkte offen zu legen und auf dem Etikett zu deklarieren.

Zusammen mit den Fachleuten aus Dassel möchte ich nun Pflegemittel entwickeln, die für den Schutz und die Konservierung von empfindlichen historischen Fahrzeuglacken abgestimmt sind und mit denen auch patinierte Originalbeschichtungen möglichst schonend behandelt werden können.

Fotos: Tapir Wagenpflege

Im Gegensatz dazu sind die normalerweise geheim gehaltenen Produktzusammensetzungen industrieller Hersteller nicht an historischen Lacken geprüft und können, - das haben Tests mit etwa 50 handelsüblichen Produkten aller Preisklassen gezeigt - , sogar Schäden an solchen Oberflächen hervorrufen. Einige der grosstechnisch produzierten Rezepturen die sich in der Versuchsreihe noch als brauchbar herausgestellt hatten, wurden ausserdem zwischenzeitlich in ihrer Zusammensetzung verändert. Sie sind so, das haben spätere Proben ergeben, nun ebenfalls nicht mehr für eine sichere Anwendung auf historischen Lacken geeignet. Dies  belegt, dass bei solchen Mitteln keine wirklich langfristig tragfähigen Aussagen zur Verträglichkeit gemacht werden können.

Vergleichbares gilt auch für aktuelle "Sonderprodukte", die beispielsweise mit Schweizerkreuz und sehr offensiver Vermarktung auftreten: hier fordert die  Verarbeitungsvorschrift des Herstellers  "eine zwingende Vorreinigung" mit dem Standard-Lackreiniger aus dem Lieferprogramm, der mit seinem sehr niedrigen pH-Wert als nicht empfehlenswert für historische Nitrozellulose- oder Thermoplastlacke eingestuft werden musste. Möchte man dieses absurd kostspielige "Spezialwachs" tatsächlich verwenden, wird das Problem also nur verlagert.... . 

 

Die Formulierungen der Firma Tapir werden wir nun gemeinsam in breit angelegten Anwendungs- und Bewitterungstests auf historischen Beschichtungsmaterialien beproben. Mit den Ergebnissen könne wir die Mischungen dann, - falls notwendig -, an die speziellen Anforderungen solcher Oberflächen und die Ansprüche von originalitätsbewussten Fahrzeugbesitzern anpassen.

 

Wir halten Sie darüber auf dem Laufenden!


Freitag 26. 5. bis Sonntag 28. 5. 2017

 

1. Pan-European Automobile History Conference

Automobilhistoriker und Enthusiasten mit unterschiedlichen Schwerpunkten aus insgesamt13 Nationen trafen sich an diesem Wochenende in der Cité de l' Automobile (Collection Schlumpf) in Mulhouse.

Bereits am Freitag beim gemeinsamen Auftakt und Abendessen stand der internationale Austausch von Wissen und ein Aufbau von neuen Netzwerken zwischen den etwa 70 Teilnehmern im Vordergrund, was am Samstag mit zahlreichen spannenden Vorträgen weiter vertieft wurde.

Besondere Erwähnung verdienen dabei die Ausführungen von Dr. Stefan Dierkes. Er illustrierte am Beispiel seiner Recherchen zum italienischen Karosseriedesigner Pietro Frua , wie wichtig eine tatsächlich wissenschaftlich-kritische Herangehensweise ist, die Quellen nachvollziehbar und so die Hypothesen des Forschenden auch für andere Fachleute überprüfbar macht. Nur so kann eine auch langfristig tragfähige Basis für unser Wissens zur Automobilgeschichte geschaffen werden. Meiner Meinung nach gilt dies genauso für Annahmen und Erkenntnisse, die als Basis für Restaurierungen dienen oder die Entscheidungen, die im Rahmen solcher Massnahmen getroffen werden. Hier ist eine möglichst exakte und in ihren Grundlagen nachvollziehbare Dokumentation zum Fahrzeug unerlässlich!

Auch der ungewöhnliche und sehr praxisorientierte Vortrag von Frederik Scherer zu den Do's und Don'ts bei der Herstellung von qualitätvollen Automobilia-Büchern fand  grosse Zustimmung und hat uns allen wertvolle Erkenntnisse vermittelt.

 Der zweite Tag der Konferenz mit weiteren Vorträgen fand am Sonntag im Kirchzarten in der Sammlung von Martin Waltz statt, der uns als wunderbarer Gastgeber auch Einblicken in seine Forschungen zum französischen Karosseriebauer Vanvooren gegeben hat.

 

Es war eine grosse Freude, zu diesem Programm mit einem Vortrag zu Geschichte,  Materialien und Entwicklungen der historischen Fahrzeuglackierung beizutragen, in dem ich meiner Promotionsforschungen zusammenfassen konnte.

Der grosse Zuspruch der Teilnehmer und die gute Organisation durch Anders Clausager (SAHB) und Thomas Ulrich (AHG) haben überzeugt und so ist geplant, diese Zusammentreffen 2019 im Louwman Museum in Den Haag weiterzuführen.